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Durch Zufall kam ich Ende 2000 an Freikarten für ein Eishockey-Spiel (der EHC Freiburg verlor am 10.12.2000 mit 2:3 nach Penalty-Schießen gegen den EC Heilbronn). Während sich meine Sport-Begeisterung zuvor auf wochenendliche Fernseh-Sessions bei den Formel-1-Rennen beschränkt hatte, begann ich schnell, mich für das Eishockey zu begeistern. Der Sport
Für viele (und früher auch für mich) sieht Eishockey nach einer "Prügel-Sportart" aus, bei der außer harten Checks und Gestochere nach einer kleinen, runden Scheibe nicht viel zählt. Als schnellste Mannschaftssportart der Welt (der Puck kann bei einem Schlagschuß auch mal die 160 km/h erreichen; ganze Spielzüge - wie die gefürchteten Freiburger Konter - laufen innerhalb von nur 10 oder 20 Sekunden, gerne auch mal schneller, ab) ist es ein Spiel voller Taktik und Strategie, bei dem knochenharte Checks und Tore-Schießen zwar zu den wichtigen, aber bei weitem nicht einzigen Fähigkeiten im Repertoire der Spieler zählen. Eigentlich klingt alles ganz einfach: "Das kleine Schwarze muß in das große Eckige". Was zählt, ist, den Gegner davon zu überzeugen, das Tore-Schießen auch zuzulassen - und da hat jede Mannschaft ihr eigenes Rezept. In den höheren Spielklassen, vor allem aber international sieht man immer häufiger eher defensives Eishockey; auch Freiburgs Mannschaft war phasenweise auf dieses Ziel ausgerichtet. Ziel ist es, den Gegner in eine "Mauer" an der "Blauen Linie", die das eigene Verteidigungsdrittel des Spielfeldes von dem als "neutrale Zone" bezeichneten Mittelteil trennt, laufen zu lassen und dabei möglichst viele Spieler zu binden, um dann mit schnellen Spielzügen über einen "Forechecker" mit einigermaßen viel Technik zu Toren zu gelangen. Als Erfolg erlebt man in der DEL (Deutsche Eishockey Liga) wie international immer öfter "Fußball-Ergebnisse" mit zwei, drei Toren (in der 2. Liga fiel in der Saison 03/04 im Schnitt mehr als ein Tor mehr pro Partie). Die "Eishockey-Nationen" USA und Kanada spielen ein härteres Eishockey, bei dem Einzel-Aktionen und harte Schüsse die wichtige Rolle einnehmen, die Technik und Strategie in den östlichen Eishockey-Staaten (Russland, Tschechien, Slowakei, ...) tragen. Im deutschen Eishockey verbinden sich beide Extreme durch die Legionäre aus allen Regionen zu einer netten Mischung. Ein Grund für die unterschiedlichen Spielanlagen sind sicher die kleinen, aber wesentlichen Regel-Abweichungen der NHL (National Hockey League) in USA und Kanada: Eine erweiterte Abseitsregelung (Abseits an der Roten Linie) sowie ein schmaleres Spielfeld führen dazu, daß der Puck selten so weite Wege läuft wie im hiesigen Hockey. Nicht zuletzt wollen die Zuschauer nun einmal hier wie da etwas anderes... Klug geschissen: Historie des EishockeyDie Herkunft des Eishockey ist nicht vollständig klar. In mehreren Regionen tauchten Spiele auf, die mit dem heutigen Hockey verwandt sind: Bei den nordamerikanischen Ureinwohnern, in den Niederlanden (bereits im 16. und 17. Jahrhundert), in Schottland - als wahrscheinlichster direkter Vorgänger gilt aber eine britische Sportart namens "Bandy", den englische Soldaten mitte des 19. Jahrhunderts nach Kanada trugen und auf's Eis verlegten. 1877 schließlich erfand ein Student den Puck, indem er einem Gummi-Ball die beiden Rundungen abschnitt und somit die Scheibe schuf. Er schrieb das erste Regelwerk, und in der Folgezeit begann Eishockey seinen Siegeszug um den Erdball, um 10 Jahre darauf in Deutschland zu landen, wo 1887 das erste offizielle Eishockey-Spiel stattfandt. 1912 wurde in Deutschland erstmalig ein deutscher Meister ermittelt, und 1920 wurde Eishockey schließlich (bei den Sommerspielen (!!) in Antwerpen) zur olympischen Disziplin. Eishockey in Freiburg: Unsere Wölfe
Gegründet 1984, gehört der EHC Freiburg zu den jüngeren Vereinen in der deutschen Eishockey-Landschaft. Er knüpft aber an eine schon ältere Eishockey-Tradition in Freiburg, zuvor vom (eben 1983 pleite gegangenen) ERC Freiburg vertreten, an. Bereits 1988 spielte die "Wölfe" in der Bundesliga; einige der heutigen Nationalspieler wie Jan Benda, Jürgen Rumrich oder Martin Reichel machten die Wölfe schnell zu einer Top-Mannschaft. Zur Saison 93/94 wurde dem EHC Freiburg aus undurchsichtigen finanziellen Gründen die Lizenz in der Bundesliga entzogen, der Verein wurde unsanft in die Regionalliga Süd befördert und verpasste es so, in der zur Saison 94/95 gegründeten DEL, die heute als "1. Bundesliga" bezeichnet wird, mitzuspielen. Schnell kämpften sich die Wölfe jedoch wieder ihren Weg nach oben und führten in der Saison 99/00 die Tabelle nach der Hauptrunde (der nun als "2. Bundesliga" bezeichneten höchsten DEB-Liga) an; in den Playoffs unterlagen sie nach hartem Kampf dem ERC Ingolstadt im Halbfinale. Nach dem zum Ziel gesetzten und doch verpassten Aufstieg in die DEL verließen einige wichtige Spieler den EHC und machten so einer heute sehr jungen Mannschaft platz, die derzeit ein modernes, technisch starkes Eishockey spielt. In der Zweitligasaison 2002/2003 bot Freiburg den stärksten Sturm (schoß also die meisten Tore) der Liga auf, mußte aber - trotz einiger hervorragender Verteidiger - auch zu viele Tore zulassen, als daß sie sich in der regulären Doppelrunde in der Tabellenspitze hätten etablieren können. Die im Eishockey gespielten Playoffs mischen die Karten aber neu... Und siehe da: als Tabellen-Siebter verputzte man den Tabellen- Zweiten Bad Nauheim, den Hauptrundenprimus Bietigheim Bissingen, und im Finale den heute nicht mehr existierenden SC Riessersee - die Eintrittskarte zur DEL war gelöst. Nach der Nerven-Belastung der Saison (als Zuschauer schwitzt man auch nicht so viel weniger als als Spieler! ;) folgte nun das Bangen, ob auch die wirtschaftlichen Kriterien für die DEL-Teilnahme erfüllt werden könnten. Einige Wochen später war klar: Der EHC spielt DEL! Nun ist die Saison 2003/2004 ebenfalls Vergangenheit; nach traurigen Rekorden (18 Spiele in Folge ohne Sieg) stand schnell fest, daß der EHC in die Playdowns muß. Tatsächlich landeten die Wölfe nach der Hauptrunde abgeschlagen auf dem letzten Platz - immerhin: zuvor ließen sieben Heimsiege in Folge noch hoffen. Diese Hoffnung wurde bald enttäuscht: In nur fünf Spielen vernaschten die Hannover Scorpions die Wölfe - und so scheint derzeit der Abstieg in die zweite Liga besiegelt - sollte nicht noch ein Wunder geschehen. Freuen wir uns auf wieder mehr Siege in der nächsten Saison... Eishockey in Deutschland
Es wäre übertrieben, Eishockey als Traditionssportart in Deutschland zu bezeichnen; zwar begann im Jahre 1963 der Ligenbetrieb des DEB in Deutschland, doch bis heute führen organisatorische Probleme und der überragende Stellenwert des Fußball zu mangelndem öffentlichem Interesse - und das als "Mannschaftssport Nummer 2". Es ist mehr als traurig, daß dieses mangelhafte Interesse bisweilen gar zu so ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten führt, daß namhafte Vereine mit langer Tradition (der SC Rießersee, dreifacher deutscher Meister, mußte 2002 Insolvenz beantragen, konnte dann noch eine Saison weiter spielen, um ein Jahr später für's erste doch vom Profi-Eishockey abzulassen) pleite gehen; starke deutsche Spieler verlassen (nicht nur) aus finanziellen Gründen das Land in Richtung USA/Kanada. Im Fernsehen ist Eishockey fast nur zu internationalen Spielen zu beobachten. Die beiden Verbände DEB (Deutscher Eishockey Bund) und DEL (Deutsche Eishockey Liga) sind für die Ausrichtung des Ligenbetriebs in Deutschland verantwortlich. Nach der Gründung der DEL zur Saison 94/95 wurde diese zur 1. Bundesliga und teilt seitdem Eishockey-Deutschland in zwei Hälften; hohe Lizenzgebühren und andere Hindernisse führen dazu, daß das Zweiklassensystem sich eher an finanziellen denn an sportlichen Schranken orientiert. Bleibt die Hoffnung, daß die neu eingeführten Auf- und Abstiegsregelungen Wirkung zeigen und den Sport wieder in den Vordergrund rücken lassen. Informationen zu den Hintergründen der DEL-Gründung gibt es hier. Das Eishockey der Nationalmannschaft durchläuft zur Zeit einen Wandel, der Gemeinsamkeiten mit dem des EHC Freiburg hat: Die Mannschaft wird verjüngt, und es zeigt sich, daß auch Deutsche gutes Eishockey spielen können, während durch die Organisationen der Einsatz von ausländischen Spielern gefördert wird. Während ich das schreibe, finden die olympischen Spiele statt, und es war eine große Überraschung, daß die Nationalmannschaft die Endrunde erreichte. Vielleicht führt das ja endlich dazu, daß Eishockey in Deutschland die Beachtung findet, die es verdient. Ansichten eines ClownsAls "Frischling" im Dasein als Eishockey-Fan stehe ich während der Saison (möglichst) Woche für Woche in der Freiburger Franz-Siegel-Halle und feuere unsere "Wölfe" an. Schnell fand ich Identifikationsfiguren (z.B. den Torjäger und Top-Scorer Petr Mares, dessen Trikot ich stolz zu jedem Spiel trage, wenngleich sein Spiel eben auf's Tore-Schießen spezialisiert ist und in Defensiv-Situationen den einen oder anderen Fehler aufweist). Mag die Schiedsrichter-Qualität noch so mies sein, der Wieder-Abstieg in die 2. Liga noch so traurig - die Dauerkarte für die nächste Saison ist bestellt :) |
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